Oldtimer Historie

1952 begannen im Bundeskanzleramt Überlegungen, wie die Motorisierung des von der Bundesrepublik aufzustellenden NATO-Kontingents aussehen sollte. Von den NATO-Normen und den Erfahrungen des letzten Krieges ausgehend wurden von der früheren Kraftfahrt-Versuchsstelle des Heereswaffenamtes die militärischen Forderungen an die Kraftfahrzeuge festgelegt. Alle militärischen Rad-Kraftfahrzeuge werden als Lastkraftwagen bezeichnet und nach ihrer Nutzlast klassifiziert. 1954 begann man die Pläne zur Aufstellung einer Bundeswehr umzusetzen und 1955 gingen die ersten Großaufträge an die Fahrzeugindustrie. Die 1. Lkw-Generation für die Erstausstattung der neuen Streitkräfte unserer Republik bekamen in der Gruppe der geländegängigen (gl) Fahrzeuge folgende Firmen die Zuschläge:

LKW 0,25t gl: Auto Union
LKW 0,75t: Borgward
LKW 1,5t gl: Mercedes Benz
LKW 5t gl: MAN, Mercedes Benz, Henschel (als Übergang)
LKW 7t gl: Magirus Deutz
LKW 10t und 12t gl: Faun

 

Der Lkw 5t gl
Lkw: Lastkraftwagen
5t: 5 Tonnen Nutzlast im Gelände
gl: Geländegängig
Gerade in dieser Klasse stand eine sehr hohe Beschaffungszahl an, fast 30000 Stück. Die Lkw sollten folgende Forderungen erfüllen:

  • 5t Nutzlast im Gelände bei 15t GesamtgewichtAusstattung mit einem vielstofffähigen Motor
  •  Allradantrieb
  • Eine gewisse „Seriennähe“ zu zivil produzierten Fahrzeugen um auch privatwirtschaftliche Betriebe zur Instandsetzung nutzen zu können 
  • Verwendung möglichst vieler, in anderen Bundeswehrfahrzeugen gebräuchlicher Bauteile
  • 24V Elektrik und Tarnbeleuchtung
  • Zweikreisbremssystem
  • Einheitsanhängerkupplung

Folgender Verwendungszweck war für den Lkw 5t gl vorgesehen: Material- und Mannschaftstransport; Nachrichten-, Sanitäts-, Küchen-, Abschlepp-, Bergungs-, Instandsetzungs-, Dekontaminierungs-Kfz.; Träger-Kfz. für Autodrehkran, Beobachtungsmast, Radar-Rundumsichtgerät, Lenkflugkörper „Drohne“; Sattelzugmaschine (verkürztes Fahrgestell); Zugmittel für Anhänger, Sonderanhänger und Flak.


Der Lkw 5t gl Mercedes Benz LG 315/46/4x4

LG: Lastwagen, Gelände

315: Fahrzeugbaumuster

46: Radstand (4,6m)

4x4: Antriebsformel

Sieben Firmen bewarben sich um den Beschaffungsauftrag. Büssing und Henschel schieden wegen zu geringer Lieferkapazität aus. Magirus Deutz und Faun erhielten die Zuschläge bei den schweren Lkw-Klassen und kamen ebenfalls nicht mehr in Betracht. Krupp, dessen 2-Takt Dieselmotor unbefriedigende Leistungen erbrachte und recht störanfällig war, schied auch aus. Daher bekamen Mercedes Benz und MAN den Zuschlag im Verhältnis von ca. 1:3. Dies geschah, weil MAN in den Jahren, als die meisten  Fahrzeuge angeschafft wurden, auch nicht voll ausreichende Kapazität besaß. Mercedes Benz hatte den Typ LG 315/46 angeboten. Das Fahrzeug war eine Weiterentwicklung des Typs L 4500 A, der schon bei der Wehrmacht sowie noch kurze Zeit nach dem Krieg im zivilen Bereich zum Einsatz kam. Mercedes Benz lieferte von 1956 - 1964 insgesamt 6640 Lkw 5t gl zu einem Stückpreis von etwa 45000 DM an die Bundeswehr aus.


Der Lkw 5t gl Mercedes Benz LG 315/46/4x4
Die in den Jahren 1956 - 1957 gebauten Fahrzeuge besaßen ein Ganzstahlfahrerhaus mit Dachluke und die werkseigene Pritsche. Ab 1958 wurden die Pritschenfahrzeuge nur noch mit einem Fahrerhaus ausgeliefert, das ein Faltverdeck besaß. Das Gros der Fahrzeuge (ab ca. 1960) hatte dann die einteilige 5m Pritsche. Im Rahmen von Depotinstandsetzungen wurden einige Fahrzeuge mit der zweiteiligen 5m Einheitspritsche ausgestattet. Gebaut wurden die Fahrzeuge in Gaggenau und bis auf wenige Spezialfahrzeuge wurden alle LG 315 mit Pritsche ausgeliefert. Sowohl der MAN als auch der Mercedes Benz galten als äußerst robust und zuverlässig. Beide zeichneten sich durch eine hervorragende Geländegängigkeit aus und ferner wurde die Unempfindlichkeit der Motoren sehr geschätzt.